Fachbuch · Carl-Auer Verlag
Eine Landkarte des Ichs
Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und das hartnäckige Gefühl, jemand zu sein. Über jedes einzelne Stück davon forschen ganze Disziplinen. Nur auf einem Blatt zusammen stand es noch nie: wie eines ins andere greift und daraus ein Ich entsteht.
Die Vorlage dafür liegt seit rund zweieinhalbtausend Jahren bereit. Sie heißt Antaḥkaraṇa, stammt aus dem Sāṃkhya und zerlegt den Geist in vier Funktionen. Dieses Buch legt sie neben das, was die Forschung heute weiß, Funktion für Funktion, und sagt ebenso genau, wo die Übereinstimmung endet und woran das Modell scheitern würde.
Sichtbar wird dabei ein anderes Ich: keine Person in Ihnen, kein Kern tief unten, sondern ein Arbeitsschritt. Denken, Fühlen und Erinnern laufen für sich ab. Erst danach schreibt eine eigene Funktion das Ergebnis jemandem zu, und dieses Zuschreiben ist alles, was das Ich-Gefühl trägt.
Lange galt das Ich als etwas, das in Stücke zerfällt, und die Stücke bekamen Namen: inneres Kind, Anteil, Ego-State, jedes mit eigenem Anspruch auf Trost. Es sind keine Stücke. Nicht Fragmentierung ist das Problem, sondern Identifikation, und eine Gleichsetzung lässt sich lösen. Wer das Ich stattdessen wegmeditiert, weicht der Arbeit aus und verliert ein Werkzeug, ohne das niemand morgens aufsteht, Nein sagt oder etwas aushält.
Das Ziel ist kein Ich weniger, sondern eines, das solide arbeitet.
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